20081002

Bus-Erfahrung

Man schaut ungeduldig auf die Uhr, immer und immer wieder. Die Tasche gepackt, Geldbeutel und Schlüssel inklusive. 10 Minuten vor Abfahrt des Buses wird das Haus überrechtzeitig verlassen - jedoch muss nochmal geschaut werden, ob nun Schlüssel und Geldbeutel auch wirklich mit dabei sind. Handy? Spürt man in der Hosentasche - nochmal einen Blick auf die Uhr werfen, schaden kann's schließlich nie. Schon wieder eine Minute vorüber. Weitere 2 Minuten später an der Bushaltestelle: der Geldbeutel wird gezückt, sicherlich hat man die Busfahrkarte zu Hause liegen lassen. Aber siehe da: sie ist im Geldbeutel. Und zwar genau an der Stelle, wo sie immer ist - wieso sollte man sie schließlich auch zu Hause rausnehmen?

In Gedanken naht der Bus und man tippelt vom linken auf den rechten, vom rechten auf den linken Fuß. Die Blicke wandern die Straße hinauf: "Kommt er?". Nein. Wieso auch? Es sind noch 3 Minuten.

17:01 Uhr. Der Bus kommt nicht. 17:02 Uhr. Der Bus kommt immer noch nicht. 17:03 Uhr, 17:04 Uhr, 17:05 Uhr. Immer noch kein Bus. Der erste Gedanke: "Shit, den hab ich sicherlich verpasst!". Logischerweise hat man ihn natürlich nicht verpasst, schließlich stand man schon viel zu früh an der Bushaltestelle.

17:09 Uhr und immer noch kein Bus in Sicht. Die Vorfreude auf den "schnellen" Bus verfliegt und als man sich schon fast damit angefreundet hat, mit dem "langsamen" zu fahren, biegt er eine Minute vor dem langsamen ums Eck. Die Türe geht auf, die Augen des Busfahrers schauen suchend auf das Ticket, welches natürlich schon längst gezückt wurde.

Ein schneller Blick in den Bus: "Mist, alles voll!" Setzt man sich am besten gleich hier auf den wohl noch einzigen freien Platz neben die junge Lady, die sich in mitten ihrer Pubertät irgendwo zwischen Girly und Möchtegern-Frau befindet. Die zahlreichen an mir vorbeiströmenden Menschen beweisen mir unterdessen, dass der Bus wohl doch nicht voll gewesen ist, denn sie bekommen auch noch alle einen Sitzplatz. Glücklichweise nicht neben, vor oder hinter mir: die ein oder andere Alkohol-, Schweiß- oder süße Parfumwolke wollte ich nicht ertragen müssen.

Den iPod mit neuesten Liedern gefüllt, nimmt man nur visuell am Geschehen teil - wäre da nicht der permanent wiederschallende SMS-Ton der jungen Lady von nebenan. Ihr hektisches Tippen lässt auf weitere Antworten hoffen. Auf die Idee, den Ton etwas herunterzuschrauben oder gar auf Vibration umzuschalten, liegt ihr fern. Wozu auch? Soll ruhig jeder mitbekommen, wie busy und gefragt sie ist.

Es vergehen Minuten, KM und zahlreiche SMS später, nähert sich der Bus einer Haltestelle. Das Handy wird in die Tasche geworfen, die Tasche an sich gezogen und geschaut. Geschaut. Und geschaut. "Willst du raus?" - "Ja.". Doof, dass sie meine Nummer nicht hatte. Vielleicht wollte sie mich per SMS fragen? Man weiß es nicht. Die einfache Frage "Darf ich mal bitte raus?" schien sie jedoch nicht über die Lippen zu bringen.

Froh, dass man selbst auch demnächst ENDLICH - nachdem der langsame Bus bereits vorbeifuhr - zu Hause ankommt, werden die letzten KM noch zu einer kleinen Weltreise. Aber schließlich, nachdem der langsame Bus bereits wieder auf dem Weg nach Ulm ist, war auch ich angekommen.

In diesem Sinne freue ich mich auf weitere schnell langsame Busfahrten.

1 comment:

Pleasure-Blog said...

Ach Herrlich!
Lass uns n Buch schreiben! ;-)
Wie ich´s mir bildlich vorstellen konnte, Sagenhaft!